Die "Geschichte" der Unvergesslichen (von Philip Müller)

Das erste Jahr - aller Anfang ist schwer...

 

Es waren einmal ein paar Vogelträger, die für die Vogelträgergruppe zu alt geworden waren.... So könnte unsere Geschichte anfangen, wenn sie ein Märchen wäre. Ist sie aber nicht. Die harte Realität war, dass ehemalige Vogelträger-Jungs nicht mehr bei den Vogelträgern mitmachen durften, weil sie die Altersgrenze überschritten hatten  - oder war es doch weil ihnen die Lederhosen zu klein geworden waren? So war der Abschied von den Vogelträgern der Anfang für einen neuen Schützenzug. Man(n) wollte ja schließlich weiterhin aktiv am Schützenleben teilnehmen.
Problem war nur, dass für das Teilnehmen am Schützenfest ein Schützenzug aus Mindestens 8 Herren bestehen muss. Sodann wurden gleichaltrige Freunde, Bekannte und ehemalige Klassenkameraden rekrutiert. So trafen sich dann im September 1993 zwölf motivierte Jugendliche (Christian Dohmgans, Eric Hüsges, Georg Johnen, Andreas Kamper, Thorsten Küppers, Philip Müller, Christian Paschertz, Stefan Schönenborn, Torben Schöning, Lars Steppen, van Geffen, Peter Wynands) bei Cola und Knabberzeug um 11h Sonntagsmorgens in der "BAR" auf dem Thonneik Hof bei der Familie Wynands. Das erste Problem war gelöst - die Mindestanzahl an Mitgliedern. War da noch die Sache mit den "Herren", aber das sollte sich in den folgenden Jahren von ganz alleine lösen... Es gab aber auch noch viele viele weitere Aufgaben die es zu
lösen galt.
War man sich recht schnell darüber einig, dass man einen Jägerzug gründen wollte, dauerte es mit der passenden Namensfindung deutlich länger. Man wusste nur, dass es nichts mit den Vogelträgern zu tun haben sollte, weil nicht alle aus dieser Truppe stammten und man von daher ein neues Kapitel im Buch "Schützenfest" anfangen wollte. Was gibt man also einen Haufen Jungendlicher die noch nicht wirklich viel gemeinsam haben, außer gemeinsam ein tolles Schützenfest feiern zu wollen? Welche Namensvorschläge damals alles gemacht wurden, weiß ich leider nicht mehr genau, aber sie waren recht abenteuerlich. Man einigte sich letztlich - nach mehreren Versammlungen und heißen Diskussionen - auf den bedeutungsvollen Namen "Die Unvergesesslichen". Damit ergab sich auch schon die nächste Aufgabe, in dem auch anderen zu vermitteln galt "Die Unvergesslichen" mit positiven Assoziationen  zu verbinden - dies sollte unser erstes gemeinsames Ziel sein.
1993 stellte der der ASV den Zügen die Aufgabe, ihr Zugwappen auf ein Holzschild zu bringen, um mit ihnen beim nächsten Schützenfest das Festzelt zu schmücken. Bei der Wahl unseres Wappens half uns ein damals laufender Werbespot von Maggi mit dem Motto: "Maggi - immer eine gute Suppe. Unvergesslich gut!" Am Ende dieses Spot s wurde ein Knoten in einen Löffel "gezaubert". Diesen Knoten übernahmen wir in unser Wappen, nur, dass wir dann doch keinen geknoteten Löffel wollten, sondern ein Gewehr mit einem Degen "verknoteten". Als Hintergrund wählten wir noch die Schützenfarben grün und weiß (Uniformrock und Hose). Damit hatten wir Symbole und Farben der Schützen, sowie eine individuelle Bote in unserem Wappen vereinigt. Die künstlerische Umsetzung erfolgte erst auf dem Computer und dann auf dem vom ASV bereitgestellten Holzschild. Diese Mühsame Handarbeit hat freundlicher weise Sabine Driskes für uns sehr gut in die Tat umgesetzt.
Das erste Schützenjahr näherte sich dann auch mit großen Schritten. Es musste ein Zugkönig her! Beim ersten zuginternen Vogelschiessen nutze Peter Wynands den "Heimvorteil" und holte den Korkvogel von der Stange.

Herr und Frau Wynands waren so nett und haben uns unser erstes "Wachlokal" zur Verfügung gestellt und uns mit vielen kleinen Hilfestellungen besonders in den ersten Jahren unterstützt.
Dank großzügiger Spenden einiger Eltern hatten wir auch bald unser eigenes Königssilber. Aber auch andere haben uns als Jungschützenzug gefördert und uns mit Sachleistungen oder Rabatten unterstützt. So ist es vielleicht für Jungschützenzüge sicherlich interessant zu wissen, das Blumenhändler und Uniformhäuser in Willich oftmals Sonderpreise für den Nachwuchs machen.

Nun - so kurz vor Schützenfest - galt es für die alten Hasen den Frischlingen das Marschieren im Gleich- und Stechschritt beizubringen. Bei den meisten, von einigen hoffnungslosen Fällen mal abgesehen, ist dies auch recht gut gelungen. So konnten 1994 die übriggebliebenen Gründungsmitgliedern (nicht alle haben bis Schützenfest durchgehalten) mit nachgerückter Verstärkung unser erster gemeinsames unvergessliches Schützenfest feiern, bei dem wir Dank den von Herrn Kamper gestifteten Krawatten glänzten!
Wenn wir auch das „zusammen“ feiern noch lernen mussten hatten, wir alle – jeder für sich oder in kleinen Gruppen - dennoch jede Menge Spaß.

 

Das zweite Jahr -  wir suchen uns ein Wachlokal....

 

War es am Anfang bei Wynands auf dem Hof noch so schön wollten wir – die ja nun schon viiieeeelll älter waren – unbedingt ein richtiges Wachlokal haben. Wir wollten eins das ansprechend, zentral gelegen und nicht mit zu vielen Zügen besiedelt ist. Warum wir dann gerade auf die Gaststätte „Steppen“ gekommen sind, weiß ich auch nicht mehr. Ich glaube das hatte mehr damit zu tun, dass es einer der wenigen freien Gaststätten war und ein paar von uns dort häufiger ihren Freitag Abend am Tresen verbrachten... Aber zentral gelegen war unser neues Wachlokal nun wirklich nicht! Bis auf unser erstes Vogelschiessen „außer Haus“ haben wir dort auch nicht abgehalten – Zugkönig wurde Christian Dohmgans.

Durch ein Missverständnis blieb das Lokal über Schützenfest geschlossen. So kehrten die „Großen“ für ein letztes Jahr zurück  auf den Thonneik Hof und belagerten zum Frühstück den Partykeller der Familie Schöning. So „überstanden“ wir auch unser zweites gemeinsames Schützenfest ohne richtiges Wachlokal. Dafür wurde aber der Zusammenhalt und das gemeinsame Feiern besser – was sich aber durchaus noch steigern lies wie man in den Folgejahren sehen konnte....

 

Die Folgejahre...

 

Nach den ersten zwei gemeinsam gemeisterten Schützenfesten – die meisten hatten die Pubertät so langsam überstanden – waren wir eine wirkliche Gemeinschaft. Das heißt nicht, dass seit dem alles Reibungslos klappte, sondern nur, dass wir gelernt hatten miteinander auszukommen und zu feiern. Nichts desto trotz gab es die üblichen Probleme die jede Gruppe oder Verein hat – z.B. die Problematik des Kassierers alle zum pünktlichen Bezahlen der Beiträge und Strafgelder zu bewegen, die ewigen „Diskussionen“ über die Anwesenheitspflicht bei Versammlungen, oder aber auch die Aufmerksamkeit bei diesen. Nebenbei gesagt, nicht dass nach zehn Jahren unseres Zuges diese Probleme nicht mehr existieren würden, aber sie sind deutlich besser und erträglicher geworden! Das mag mit unter nicht nur an den Schützenfesten liegen die wir miteinander verbracht haben, sondern auch die zunehmenden Treffen in der Freizeit. Ob der Diskobesuch am Wochenende oder die Brauchtumspflege zu besonderen Feiertagen. Feiertagen wie der 1.Mai bzw. der Tanz in den Mai. Da wir praktischer Weise mehrere Söhne aus Landwirtschaftlichen Betrieben bei uns im Zug hatten und haben, war und ist es nie ein größeres Problem gewesen einen Traktor mit einem passenden Anhänger zu bekommen. Ebenfalls von Vorteil sind die diversen Beziehungen zu anderen Landwirten der Umgebung, so dass wir uns Maien nicht „illegal“ besorgen müssen... So zogen wir denn Jahr für Jahr in der Nacht zum ersten Mai los. Anfangs begnügten wir uns mit einem Anhänger mit etwas Stroh ausgelegt – und natürlich mit dem dazugehörigen Proviant – was dann über die Jahre zu der luxuriöseren Variante mit Überdach, Notstromaggregat, Musik und Lichtanlage, Couch und geschmiedeten Maien-Käfig (im leeren Zustand auch hervorragend zum tanzen geeignet) ausartete. Welche (Un)taten wir während dieser Touren so gegangen wurden soll doch besser jeder einzelne „gestehen“....
Gemeinsam mit dem Freundeskreis der Unvergesslichen sind wir im Sommer 1996 Schützenfest nach Disneyland Paris gefahren. Abgesehen von dem Spaß den wir dort hatten hat es unsere Truppe wieder ein Stückchen enger verschweißt – fest genug um unser erstes Jubiläum zu überstehen.

 

Unser erstes Jubiläum - 5 Jahre die Unvergesslichen.

 

Das Schützenfest nahte mit großen Schritten – genauer gesagt war es Mittwochabend vor Schützenfest - und wir hatten unsere üblichen für das Schmücken schon fast abgeschlossen, als wir uns dann doch entschlossen unser Wachlokal etwas ausgiebiger zu schmücken. Ausgiebiger im Sinne von Bildern aus Rosen. Wir also nichts ahnend wie viel Papierrosen man braucht – insbesondere wie lange man für das Drehen einer deutlich größeren Anzahl braucht – munter drauf losgelegt. Munter waren wir dann wohl auch nur den ersten Abend, denn die folgenden Abende wurden sehr lang...
Als wir – die Unvergesslichen und ihr grandioser Freundeskreis und natürlich besonders die Mädelzzz – nach 2 Tagen und Nächten über 3.000 Rosen gedreht und gesteckt hatten vollendeten wir unseren spontanes Kunstwerk (für das wir später den dritten Platz im Schmuckwettbewerb erhielten) am Freitagabend kurz vor der offiziellen Eröffnung des Schützenfestes.
Die Mädelzzz waren übrigens der „Fanclub“ der Unvergesslichen. Er bestand aus vorrangig Freundinnen der Schützen und weiteren weiblichen Freunden des Zuges. Nicht nur, dass sie fleißig Rosen gedreht haben, sie haben mit Hilfe von Transparenten in ganz Willich unser Jubiläum verkündet, uns Orden zum 5 jährigen verliehen, unsere Platz im Zelt markiert und uns mit ihrem „Samba de Jainero“ beglückt.
Und wenn man nach fast einer Woche Schützenfest feiern immer noch nicht genug hat, so kann man wie wir eine Woche später eine Schützenfest-Revival-Party machen.
Ohne unsere Mädelzzz hätten wir zum einen nie diese Schmück-Aktion bewältigt bekommen, noch hätten wir ein so schönes Schützenfest feiern können! Ein recht herzlichen Dank noch mal für dieses besonders unvergessliche Jahr! Es war aber nicht nur für uns unvergesslich, denn auf unserer Revivalparty erschienen auch das Königspaar Jürgen I. und Uschi I. (Budde) und das gerade ausgeschiedene Königspaar Bernd I. und Karin I. (Kirchmeier).
Liebe vergeht – Freundschaft besteht! Und so kommt es, dass aufgrund von diversen Partnerinnenwechseln die Gruppe der Mädelzzz heute nicht mehr in einer solch festen Konstellation existiert, aber auch heute noch, wenn die Unvergesslichen und ihre Freunde zum schmücken, feiern oder ähnlichem zusammentreffen, viele von den ehemaligen Mädelzzz dabei sind.

Diese besonderen Erlebnisse dieses Jahres haben unseren Zug in ganz besonderer Weise geprägt. So zum Beispiel unser Strafgeld für Übergeben an Schützenfest: Ein gewisser G.J. hatte großen Hunger, weil er erst kurz zuvor von der Arbeit gekommen war. Da er im Wachlokal vor dem Antreten „nur“ ein „Pola Pola“ gegessen hatte und bediente er sich den Wackelpuddings die bei uns auf dem Tisch standen, welche liebevoll und hochprozentig von den Mädelzzz zubereitet waren. Zu späterer Stunde entledigte sich dieser Herr seines Puddings und dem „Pola Pola“. Da wir der Meinung waren, dass es zu schade um das Essen war, solle derjenige der das Essen „verschmähe“ wenigstens wissen was es koste. Unsere Regel für das Übergeben an Schützenfest war geboren und jeder kannte: „Pola Pola – 16,50DM“!


Man(n) wird Älter: früher war’s der Tanz in den Mai – heute frönt man dem Vatertag!